A-Z der Augengesundheit

Trockenes Auge

keine lästige Befindlichkeitsstörung

Das trockene Auge ist keine lästige Befindlichkeitsstörung, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung, die durch einen Verlust des Gleichgewichts im komplexen Tränenfilm- und Augenoberflächensystem entsteht. Der Tränenfilm bedeckt die Augenoberfläche und ist dafür verantwortlich, dass das Auge befeuchtet und mit Nährstoffen versorgt wird. Ein stabiler Tränenfilm ist außerdem für ein gutes Sehvermögen sehr wichtig.

Für die Entstehung des Trockenen Auges kann eine herabgesetzte Produktion und/oder eine gestörte Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit mit vermehrter Verdunstung verantwortlich sein.

Der Tränenfilm an der Augenoberfläche wird dann instabil und reißt auf. Eine hyperosmolare Zusammensetzung sowie entzündliche Vorgänge im Tränenfilm, Schädigung der Augenoberfläche und neurosensorische Veränderungen spielen, laut neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, ebenfalls eine große Rolle.

Manchmal kann das Trockene Auge auch ein Zeichen einer schweren Erkrankung sein, wie z.B. der chronischen Polyarthritis.


Die Kommission für Kommission für Trockenes Auge und Oberflächenerkrankungen der ÖOG informiert über Symptome, Diagnose, Ursache und Therapie:

Symptome

Trockenheitsgefühl, Kratzen, Brennen, Fremdkörpergefühl, Müdigkeit der Augen, aber auch vermehrtes Tränen werden beschrieben. Eine Verschlechterung des Sehvermögens ist ebenfalls möglich. Durch den entzündlichen Prozess kann es zu einer Rötung der Augen und der Lider kommen. Charakteristisch nehmen die Beschwerden im Tagesverlauf zu und werden bei Aktivitäten wie Lesen oder vermehrte Bildschirmarbeit verstärkt. Auch der Aufenthalt in klimatisierten Räumen bzw. an Orten mit reduzierter Luftfeuchtigkeit fördert die Austrocknung der Augenoberfläche und somit die Beschwerden.

Diese Symptome können so unangenehm und quälend sein, dass es zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität kommt.

Die Ursachen

  1. Höheres Alter und weibliches Geschlecht sind anerkannte Risikofaktoren für ein Trockenes Auge
  2. Augenerkrankungen (z.B. Lidrandentzündung, Verletzung der Augenoberfläche oder der Tränendrüsen, Lidfehlstellung mit unvollständigem Lidschluss)
  3. Augenoperationen (z.B. refraktive Eingriffe, Kataraktchirurgie)
  4. Kontaktlinsen (z.B. zu lange Tragezeiten)
  5. Unentdeckte Fehlsichtigkeit
  6. Allgemeinerkrankungen (z.B. rheumatischer Formenkreis, Störungen der endokrinen Drüsen - Schilddrüse, Diabetes)
  7. Hauterkrankungen (z.B. Rosacea, Psoriasis)
  8. Infektionserkrankungen (z.B. Hepatitis C)
  9. Mangelerkrankungen (z.B. Vitamin A)
  10. Depressionen, Stress und psychische Belastungen
  11. Schwangerschaft
  12. Nebenwirkung systemischer Medikamente (z.B. Betablocker, Psychopharmaka, Zytostatika, die "Pille")
  13. Nebenwirkung lokaler Medikamente (z.B. Konservierungsmittel)
  14. Ungünstige Arbeitsbedingungen (auch Office Eye Syndrom genannt, intensive Computerarbeit, Aufenthalt in klimatisierten Räumen mit niedriger Luftfeuchtigkeit, Chemiearbeiter ...)
  15. Umwelteinflüsse (Erhöhung des Ozongehaltes in der Luft, UV-Strahlung ...)

Die Diagnose

Mit Hilfe verschiedener Tests prüft der/die AugenärztIn die Menge und Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit, sowie die Stabilität des Tränenfilms an der Augenoberfläche. Weiters können mikroskopische Veränderungen im vorderen Augenabschnitt, an den Lidern, der Bindehaut und der Hornhaut diagnostiziert werden.

Die Therapie

  1. WICHTIG: Allgemeinerkrankungen müssen diagnostiziert und behandelt werden.
  2. Änderung der Arbeits- und Umweltbedingungen: Luftfeuchtigkeit erhöhen, Meiden von rauchiger Umgebung, Optimierung eines Bildschirmarbeitsplatzes - geeigneter Sehbehelf, bewusstes Blinzeln
  3. Ausreichend Flüssigkeit, ausgewogene Ernährung (z.B. Omega-3-Fettsäuren)
  4. Tränenersatzmittel. Je nach Form der Erkrankung wird ein geeignetes Tropfen- oder Gelpräparat ausgewählt. Dabei sollten Produkte ohne Konservierungsmittel eingesetzt werden.
  5. Lidrandhygiene: Erwärmung (mit heißen Kompressen oder Wärmebrillen), Massage und Reinigung. Automatisierte Verfahren (z.B. Blephex, LipiFlow, IPL-Therapie)
  6. Entzündungshemmung am Auge (z.B. Cyclosporin-A- und Kortisonhaltige Augentropfen)
  7. Antibiotika (Anwendung am Auge und/oder Einnahme) bei assoziierter schwerer Lidrandentzündung
  8. Verschluss der Tränenabflusswege (Punctum Plugs)
  9. Albumin und Serum-Augentropfen
  10. Operative Eingriffe in schweren Fällen
  11. Alternative Maßnahmen: Akupunktur, Entspannungstherapie, Iontophorese

Die Therapie erfolgt stufenweise, je nach Befund, wobei auch Kombinationen der obengenannten Optionen möglich sind. Oft wird die optimale Therapiewirkung erst nach mehreren Wochen oder Monaten erreicht.

Autorin: Priv. Doz.in Dr.in Jutta Horwath-Winter (Vorsitzende der Kommission für Trockenes Auge und Oberflächenerkrankungen)

Weiterführende Informationen:

Spezialambulanzen in Österreich: Kontaktdaten/Webseite

Graz: Spezialbereich für Benetzungsstörungen der Univ.-Augenklinik, Medizinische Universität Graz: http://augen.uniklinikumgraz.at

Linz: Sicca-Ambulanz, Kepler- Universitätsklinik :
https://www.kepleruniklinikum.at/versorgung/kliniken/augenheilkunde-und-optometrie/schwerpunkte-und-leistungen/

Wien: Ambulanz für das trockene Auge im Gesundheitsverbund der WGKK:
https://www.wgkk.at/cdscontent/?contentid=10007.725010

Wien: Sicca-Ambulanz der Augenklinik Hietzing:
http://www.wienkav.at/kav/khr/medstellen_anzeigen.asp?ID=3465

Zell am See: Sicca-Ambulanz, Tauernklinikum, Abteilung für Augenheilkunde und Optometrie:
www.tauernklinikum.at

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