Dr. Adele Rabensteiner Gedächtnis-lecture
vorgetragen von MR Dr. Roderich Fellner anläßlich der Vollversammlung der ÖOG am 30. Mai 2003 in Salzburg
Vor nunmehr 15 Jahren verstarb Frau Dr. Adele Rabensteiner, die Stifterin des nach ihr benannten Fonds, dessen vorrangiges Ziel die Förderung der Ausbildung junger Kolleginnen und Kollegen ist, wobei jährlich namhafte Mittel aus diesem Fond vergeben werden.
Als einem der Wenigen, der Frau Dr. Rabensteiner noch persönlich gekannt hat, fällt mir die ehrenvolle Aufgabe zu, Ihnen die hochherzige Spenderin ein wenig näher zu bringen.
Adele Rabensteiner
wurde am 28.10.1909 in Graz geboren. Als Kind
aus der 2. Ehe ihres Vaters hatte sie 2 ältere Halbgeschwister. Ihr
Vater war wohlhabend, mit ihm verband sie ein besonders inniges
Verhältnis, aber mit der Berufswahl Medizin war er zunächst nicht
einverstanden. Die Einwilligung ihres Vaters zum Medizinstudium
erreichte Frau Adele Rabensteiner schließlich durch ihre hervorragenden
Kochkünste, wie sie selbst berichtete.
Das Studium absolvierte sie zur Gänze an der
Karl-Franzens-Universität in Graz, ebenso ihre Facharztausbildung unter
Prof. Böck an der Grazer Augenklinik, wo sie anschließend als Oberärztin
tätig war.
Anfang der 50er Jahre eröffnete Frau Dr. Rabensteiner eine Ordination
am Burgring Nr. 4, die sie mit viel Erfolg bis 1973 führte. Kollegin
Rabensteiner kann als resolute, weltoffene und warmherzige Dame
beschrieben, der die Nöte ihrer Patienten größtes Anliegen waren. Da sie
unverheiratet und kinderlos blieb, widmete sie den ihr anvertrauten
Patienten ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Augenärztin zu sein war ihr
nicht nur Beruf sondern Berufung.
Frau Dr. Adele Rabensteiner unternahm sehr gerne Reisen, welche sie
unter anderem nach Ägypten, in die Dom. Republik, Italien aber auch in
die österreichische Bergwelt, insbesondere in ihr geliebtes Bad Gastein
führten, wo sie ein eigenes Domizil hatte; an den Wochenenden fuhr sie
gerne mit dem Auto und galt als rasante Fahrerin. In den Sommermonaten
verbrachte sie die Wochenenden oft in Kärnten am Wörthersee.
Frau Dr. Rabensteiner war sehr tierliebend. Als einer Assistentin,
den ihr zum Gassigehen anvertrauten Hund nicht wie aufgetragen an der
Leine führte, und dieser von einem Auto überfahren wurde, hatte dies die
sofortige Entlassung zur Folge.
Der berufliche Einsatz von Frau Dr. Rabensteiner war beispielgebend;
so wundert es nicht, daß sie einen sehr großen Patientenzulauf hatte,
wobei diese nicht nur aus Graz und dem Umland, sondern z. Teil auch aus
dem angrenzenden Ausland kamen. Ihre Ordination hielt sie nicht nur
jeden Vormittag sondern auch an vier Nachmittagen geöffnet; daneben war
sie noch als gesuchte Gutachterin tätig.
Mit zunehmendem Alter wurde Frau Dr. Rabensteiner kränklich; oft litt
sie an pulmonalen Infekten und mehr und mehr machte sich eine
Coxarthrose beider Hüften bemerkbar; dreimal mußte sie sich
Hüftgelenksoperationen unterziehen (zuerst in Erlangen, später in Graz).
Schließlich trat die terminisierende Erkrankung in Form eines
intestinalen Malignoms hinzu, wobei sie von ihrer langjährigen
lebensbegleitenden Assistentin, Frau Edith Malleg, bis zum letzten Tag
aufopfernd gepflegt wurde. Frau Dr. Rabensteiner war bis zuletzt geistig
hellwach und ließ sich noch am Tage vor ihrem Ableben die
Tageszeitungen bringen, obwohl die Kachexie bereits ein erschreckendes
Ausmaß angenommen hatte.
Am 12.12.1988 fand ihrem Wunsch entsprechend die Verabschiedung im
engsten Kreis statt.
Zweimal habe ich Frau Dr. Adele Rabensteiner, zu einer Zeit, wo sie
noch gesund zu sein schien, besucht. Ich habe sie gebeten, mir einen
Lebenslauf zur Verfügung zu stellen, da ich gerade an meinem Buch über
die Geschichte der Augenheilkunde in Graz arbeitete. Einige Zeit später
suchte ich sie wieder auf. Der Empfang war herzlich mit Kaffee und
Kuchen, aber leider meinte sie, könne sie den gewünschten Beitrag nicht
liefern, sie habe damit nicht einmal begonnen. Jedoch, fügte sie
kryptisch hinzu, "ich werde mir etwas Anderes einfallen lassen; gedulden
sie sich!" Ich konnte mit dieser Andeutung wenig anfangen und
verabschiedete mich ein wenig enttäuscht. Zu diesem Zeitpunkt, nehme ich
an, war die Idee ihrer großherzigen Stiftung bereits im Heranreifen.
Die österr. Ophthalmologische Gesellschaft verdankt Frau Dr. Adele
Rabensteiner neben den Räumlichkeiten in der Schlösselgasse in Wien ein
beträchtliches Barvermögen, womit wir junge Kollegen/innen in ihrer
beruflichen Ausbildung zu fördern in der Lage sind. Um ihre Verdienste
zu würdigen, wurde anläßlich ihres 15. Todesjahres von der österr.
ophth. Ges. eine Ehrentafel an ihrem Urnengrab angebracht.
Wir werden Frau Dr. Adele Rabensteiner stets ein ehrendes Gedenken
bewahren.
MR Dr. Roderich Fellner
(Vors. d. Fachgruppenbeirates der ÖOG)