Computer macht Augen trocken
Bildschirmarbeit, Klimaanlagen,
UV-Strahlen, Ozon und Medikamente wie die Pille schädigen den
Tränenfilm. Immer mehr Menschen, vor allem junge leiden darunter.
17. Mai 2001
Ort: Café Landtmann, 1010 WIEN
Thema: Computer machen Augen krank
Trockenes Auge - machen die Computer Augen krank?
Unter diesem Titel fand am 17. Mai 2001 ein Pressegespräch im Café Landtmann in Wien statt. Vor Vertretern der Presse referierten die Augenärzte/innen
über Verbreitung, Ursachen, Pathologie, Diagnose und Therapie dieses weitverbreiteten Übels unserer Zivilisation. Anschließend stellten sich die Referenten den interessierten Fragen der Journalisten.
Bildschirmarbeit, Klimaanlagen,
UV-Strahlen, Ozon und Medikamente wie die Pille schädigen den
Tränenfilm. Immer mehr Menschen, vor allem junge leiden darunter.
Augenärzte beobachten derzeit das Ansteigen einer unangenehmen
Augenerkrankung: Immer mehr Menschen leiden unter dem sogenannten
"Trockenen Auge". Wie Primarius Dr.
Paul Drobec, der Präsident der Österreichischen Ophthalmogischen
Gesellschaft (ÖOG), am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Wien
feststellte, klagen heute bereits zwei Drittel der Patienten über
Brennen und Fremdkörpergefühl. Die Ursachen: Durch vermehrte
Bildschirmarbeit, Klimaanlagen, UV- und Ozon-Einwirkung sowie durch
Medikamente wieder der Pille kommt es zur Schädigung des Tränenfilms.
Besorgniserregend: Immer mehr junge Leute sind davon betroffen.
Das speziell in den hoch entwickelten Ländern beobachtete rasante
Ansteigen des Trockenen Auges steht auch im Mittelpunkt der heurigen
ÖOG-Jahrestagung in Kärntner Millstatt. An die 200 in- und ausländischen
Augenärzte diskutieren dort vorm 24. bis 26. Mai Forschungsergebnisse
über die Entstehung des Leidens und mögliche Behandlungsmethoden, die
bisher noch keineswegs zufriedenstellend sind.
Das Trockene Auge, so Univ. Doz.
Prof. Dr. Veronika Huber-Spitzy von der Augenabteilung im
Sanatoriu Hera, ist weder ein kosmetisches Problem noch eine lästige
Erscheinung, sonder neine ernstzunehmende Erkrankung. Der Tränenfilm
dient nicht nur der Befeuchtung der Hornhaut, sondern er enthält eine
ganze Reihe wichtiger Stoffe zur Abwehr von Erregern. Ist er nicht mehr
intakt, kommt es zum aufreißen des schützenden Filmes, zu regelrechten
Löchern, durch die Keime eindringen und oft schwere Infektione
verursachen können.
Hinter Trockenen Augen können sich verschiedene Erkrankungen verstecken. Nicht nur Störungen der Tränenproduktion, auch Entzündungen der Lidränder verursachen solche Beschwerden. Doz. Huber-Spitzy: "Es kann zum Beispiel passieren, dass Talg in den Ausführungsgängen stecken bleibt, ohne den der Tränenfilm unstabil bleibt. Es kommt zu einem vermehrten Rinnen der Augen durch das paraoxerweise die Hornhaut austrocknet, weil sich ohne Fett keine Schutzschichte bilden kann." Die vielen verschiedenen Formen des Trockenen Auges verangen, dass die Therapie in jedem Fall anders aussieht. In einem Fall wird man die Tränenflüssigkeit ersetzen, im anderen die Lidränder sanieren müssen.
Das Trockene Auge, so berichtete die Wiener Augenärztin Dr. Helga Azem, tritt zwar vermehrt ab
dem mitleren Lebensalter auf, wird aber in letzter Zeit bei immer mehr
ungen Menschen diagnostiziert. Dr. Azem:
"Wir können das eindeuig auf trockene heiße Luft von Zentralheizungen,
Luftbefeuchter und Klimaanlagen, die manchmal zu regelrechten
Bakterienschleudern werden, schlechte Beleuchtung vor allem aber auf die
Computerarbeit zurückführen." Rund um den Bildschirm wimmelt er nur so
von elektrostatisch aufgeladenen Staubteilchen, die das Auge permanent
reizen. Dazu kommt, dass bei der Computerarbeit, die an sich schon
anstrengend ist, mit steigender Konzentration immer weniger geblinzelt
wird - es kommt zur Verminderung der Tränenflüssigkeit. Außerdem stehen
die Computer in vielen Fällen einfach falsch.
Wie die Ärztin feststellte, ist für das Auge optimal: 50 - 70
Zentimeter Abstand zum Bildschirm, das Gerät sollte im 90-Grad-Winkel
zum Fenster stehen (geringste Blendung) und nur so hoch sein, dass der
Benützer im Sitzen beim Geradeausschauen genau auf die obere Kante des
Gerätes sieht. Das Arbeiten sollte also mit leicht gesenktem Blick
erfolgen. Signifikant öffter beobachtet die Ärztin Trockene Augen bei
Frauen, die die Pille nehmen. Dr. Azem warnte bei der Pressekonferenz speziell vor augenkosmetischen Mitteln,
den sogenannten Weissmachern, die nach zu häufigem Gebrauch ebenfalls
Trockene Augen verursachen, ähnlich wie Augentropfen mit einem
Konservierungsmittel und Kontaktlinsen-Pflegemittel.
Als eine der hoffnungsvollsten Therapien bei bestimmten Formen des
Trockenen Auges präsentierte Dr.
Johannes Nepp von der Wiener Universitäts-Augenklinik auf der
Pressekonferenz die Akupunktur. Bei wissenschaftlichen Studien zeigte
sich, dass die Patienten nach Akupunktur deutlich seltener zu
Tränenersatzmitteln greifen mussten und sich die Zusammensetzung des
Tränenfilms wesentlich verbesserte. Dr.
Nepp: "Folgebeobachtungen dokumentieren, dass dieser Effekt vor
allem bei jüngeren Patienten meist über ein Jahr anhielt."
Darüber hinaus stellte man fest, dass Akupunktur dann besonders
erfolgreich war, wenn das Trockene Auge durch äußere Störungen wie
Wetterempfindlichkeit, psychische Probleme oder auch Bidschirmarbeit
hervorgerufen worden war. Weniger gut waren die Resultate bei
hormonellen oder immunologischen Ursachen.
Exakte Messungen ergaben jedenfalls, dass es bei Akupunktur zu einem
Abfall der Temperatur an der Augenoberfläche kam. Was vermutlich auf
eine Vermehrung des Tränenfilms zurückzuführen ist, der eine abkühlende
Wirkung hat, aber auch auf eine Verminderung der entzündlichen Reaktion.
Die Reibung beim Lidschluss hatte sich verringert und die
Entzündungsfaktoren positiv verändert.
Von der ÖOG-Jahrestagung in Millstatt erwarten sich die Augenärzte neue Erkenntnisse über eine bessere Therapie des Trockenen Auges.
"Die Grundlage einer wirkungsvollen Therapie liegt im Herausfinden der Ursachen des trockenen Auges", erklärte der Wiener Augenarzt Dr. Herbert Schuster vor den Journalisten, "und deren Bekämpfung". So kann die Verordnung einer Brille bei bisher nicht erkannter Fehlsichtigkeit oft schon Linderung unspezifischer Beschwerden, wie Brennen oder "Trockengefühl" herbeiführen. Tragen ungeeignete oder überalterte Kontaktlinsen Schuld an den oft quälenden Beschwerden, kann eine Neuanpassung entscheidend helfen. Auch einfache Veränderungen im Wohn- oder Arbeitsbereich, z.B. durch geeignete Luftbefeuchter oder Klimaanlagen können dem Betroffenen helfen.
Ganz wichtig ist aber die medizinische Durchuntersuchung, um
rheumatische Erkrankungen oder Hormonstörungen aufzudecken, bzw.
auszuschliessen. Alle ständig eingenommenen Medikamente müssen wegen
einer möglichen Nebenwirkung in Betracht gezogen werden. Auch auf
toxische Einflüsse, z.B. chemische Dämpfe am Arbeitsplatz muss geachtet
werden. Nicht zuletzt müssen Mangelerscheinungen oder chronische
Krankheiten ausgeschlossen werden.
Erst nach gründlicher medizinischer Untersuchung können als
symptomatische Therapie sog. Tränenersatzmittel eingesetzt werden.