Die Kontaktlinse - ein Wellness Artikel

Dr. Herbert Schuster

Von Dr. Herbert Schuster

Diese Ansicht könnte man gewinnen, wenn man in diversen "Gesundheitsbeilagen" von Zeitungen blättert, in Auslagen von Optikern oder gar - in den letzten Wochen - Drogeriemärkten schaut.

Dem letztgenannten Auswuchs unkorrekter "Vermarktung" des Medizinproduktes Kontaktlinse konnte entgegengesteuert werden - in einer vorbildlichen Zusammenarbeit der Augenärzteschaft und Optikerinnung. Aber das flaue Gefühl bleibt, dass flotte Vermarktung um (fast) jeden Preis das vorrangige Ziel gewisser Kontaktlinsenanpasser ist. Lockangebote wie "Gratis Probetragen" oder "Testen Sie unsere Kontaktlinsen" haben mit seriösem Umgang mit dem Medizinprodukt nichts zu tun. Auch im Internet stößt man immer wieder auf Angebote von Kontaktlinsen, die nach alleiniger Angabe der Brillenglasstärke bestellt werden können.

Kontaktlinsenanpassung

Die exakte individuelle Anpassung von Kontaktlinsen ist nicht nur für den Seherfolg, sondern auch für die gesunde Trageweise ausschlaggebend. Deshalb ist diese Tätigkeit in Österreich einem besonders qualifizierten Personenkreis vorbehalten. Ungenau angepasste Kontaktlinsen führen oft erst nach einiger Zeit zu Reizerscheinungen, Sauerstoffmangel und damit Infektionsanfälligkeit und anderen Augenschäden, die Dauerfolgen bis zur Erblindung haben können. Dies gilt für alle Kontaktlinsen, also auch für sogenannte Tages- oder Monats-Kontaktlinsen. Die "Jux-Kontaktlinsen" mit aufgedrucktem Muster (Dollarzeichen, Herzerl etc.) sind besonders problematisch, weil sie - auch nach kurzzeitigem Tragen - oft zu beträchtlichen Sehbehinderungen führen. Dies erhöht die Unfallgefahr Jugendlicher etwa nach einem Disco-Besuch drastisch. Leider sind bereits Unfälle mit fatalem Ausgang auf diesen Unfug zurückzuführen. Beim "Probetragen" oder "Testen" oder Verkauf über das Internet fehlt sowohl die persönliche Fachberatung als auch die fachgerechte Anpassung völlig.

Kontaktlinsenabgabe

Bei der Abgabe durch Befugte wird der Kontaktlinsenträger nicht nur in der Handhabung der Kontaktlinsen, sondern auch in der notwendigen Pflege und Hygiene der Kontaktlinsen persönlich genau unterwiesen. Bei ungenauer Einhaltung der Hygieneschritte sind Augeninfektionen und damit oft schwere Dauerschäden unvermeidbar. Beim Kauf im Internet werden allenfalls schriftliche Hinweise gegeben, die die persönliche Unterweisung aber nicht ersetzen und oft nicht verstanden oder ernst genommen werden.

Wie stehen wir Augenärzte dieser "modernen" Praxis gegenüber? Ganz wichtig und unersetzlich ist nach wie vor die augenfachärztliche Untersuchung vor jeder KL-Anpassung. Damit können manchmal Augenkrankheiten festgestellt werden, die das Anpassen oder Tragen von Kontaktlinsen überhaupt ausschliessen. In einem späteren Schadensfall ist das Vorliegen eines fachärztlichen Befundes von großer Bedeutung. Dies gilt besonders für den Fall einer nichtärztlichen Anpassung. Der/die Kontaktlinsenträger/in muss nach der Anpassung und KL-Abgabe, die die genaue Unterweisung in der Hygiene umfasst, nachweislich über mögliche Risken und das Management im Falle von Beschwerden aufgeklärt werden.

Die Bilder zeigen, dass fehlende oder mangelhafte Aufklärung der Kontaktlinsenträger/innen böse Folgen haben kann, vor allem, wenn ärztliche Hilfe nicht oder zu spät in Anspruch genommen wird.

Vertriebswegregelung

Die zuständigen Behörden sind aufgefordert die Beachtung der strengen Vertriebswegregelung zu kontrollieren und gegen Missbräuche entschlossen einzugreifen. Gerade bei der letzten "Aktion" konnten die Behörden allerdings nur nach langwierigen Interventionen - zum Teil erst mit Briefen an Ministerien - zur Erfüllung ihrer Aufgabe gebracht werden.

Bindehautblutung
Grössere Bindehautblutung bei Verletzung mit Fingernagel (ungeübtes Einsetzen)

Gefäß
Gefässeinsprossung bei chronischem Sauerstoffmangel (zu eng sitzende KL)


Hornhautulkus (mangels Aufklärung wird die KL weiter getragen)


Toxische Reizung (Hygienemittelunverträglichkeit)


Narbe nach Hornhautulkus (Keratoplastik steht bevor)

Bilder: von Prof. Roth/Ulm